Coachingfragen für Jedermann

Öffnende, ressourcenorientierte Fragen sind im Coaching eine klassische Intervention.
Aber natürlich bieten sie sich für jedes ernsthaft geführte Gespräch mit einem Menschen an. Hier eine Auswahl für Sie:

Wie haben Sie so viel Mut aufgebracht, …?
Was hat Ihnen die Kraft gegeben, …?
Wie haben Sie es geschafft, trotz allem …?
Wie konnte es Ihnen gelingen, …?
Welche inneren Ressourcen haben Ihnen geholfen, …?
Was hat Sie motiviert, weiterzumachen, auch wenn …?
Wie haben Sie es geschafft, Ihre Hoffnung nicht zu verlieren, …?
Welche kleinen Schritte haben Ihnen geholfen, …?
Was hat Sie inspiriert, diesen Weg zu gehen, …?
Welche Unterstützung hat Ihnen besonders geholfen, …?
Auf welche Weise haben Sie Ihre eigenen Grenzen überwunden, …?
Was hat Ihnen gezeigt, dass Sie fähig sind, …?
Welche Lektion aus Ihrer Vergangenheit hat Ihnen geholfen, …?
Was hat Ihnen Mut gemacht, als alles unsicher schien, …?
Welche Herausforderung hat Ihnen gezeigt, wie stark Sie wirklich sind, …?
Welche kleine Entscheidung hat einen großen Unterschied gemacht, …?
Worauf sind Sie besonders stolz, dass Sie es geschafft haben, …?
Welche innere Stimme oder Überzeugung hat Sie getragen, …?
Wie haben Sie gelernt, sich selbst zu vertrauen, …?
Was hat Sie dazu gebracht, nicht aufzugeben, …?
Welche Menschen oder Erfahrungen haben Ihnen Hoffnung geschenkt, …?
Wie haben Sie gelernt, in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben, …?
Was hat Sie dazu inspiriert, weiter an sich zu glauben, …?
Wie haben Sie Ihren inneren Frieden gefunden, …?
Wie haben Sie gelernt, schwierige Entscheidungen zu treffen, …?
Welche Kraftquelle war für Sie besonders wirksam, …?
Welche Begegnung oder Geschichte hat Sie ermutigt, …?
Wie haben Sie es geschafft, Ihre Ziele trotz Hindernissen zu verfolgen, …?
Was hat Ihnen geholfen, Ihre Motivation zu behalten, …?
Wie haben Sie gelernt, auf Ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, …?
Welche Entscheidung hat Ihr Leben positiv verändert, …?
Wie haben Sie es geschafft, Ihr inneres Gleichgewicht zu bewahren, …?
Welche Werte oder Überzeugungen haben Sie durch schwere Zeiten getragen, …
Wie haben Sie es geschafft, sich selbst zu verzeihen oder anzunehmen, …?

Das Kohärenzgefühl

„… die Art, wie man seine Welt sieht … die eigene Realitätskonstruktion … ist ein entscheidender Faktor für Coping [Bewältigungsweisen insbesondere bei Krisen] und Gesundheit.“ [Antonovsky]

Das Kohärenzgefühl

„… ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, dynamisches Gefühl des Vertrauens hat;

  • dass die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;
  • dass einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;
  • dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“

Das Gefühl von Sinnhaftigkeit beschreibt das Ausmaß, in dem man das Leben als emotional sinnvoll empfindet: Dass wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, dass man Energie in sie investiert, dass man sich für sie einsetzt und sich ihnen verpflichtet; dass sie eher willkommene Herausforderungen sind als Lasten, die man gerne los wäre.

Antonovsky sieht diese motivationale Komponente als den wichtigsten Aspekt des Kohärenzgefühls
an, denn ohne das Erleben von Sinnhaftigkeit neigt der Mensch dazu, das Leben vor allem als Last zu empfinden und jede weitere sich stellende Aufgabe als Qual.

„Diejenigen, die nach unserer Einteilung ein starkes Kohärenzgefühl hatten, sprachen immer von Lebensbereichen, die ihnen wichtig waren, die ihnen sehr am Herzen lagen, die in ihren Augen ‚Sinn machten‘ – und zwar in der emotionalen, nicht nur der kognitiven Bedeutung des Terminus … kurz
nachdem ich mein Buch geschrieben hatte, wurde ich auf Frankls Werk aufmerksam, und es beeinflusste zweifellos die Wahl der Bezeichnung dieser Komponente.“

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Das Konzept von Antonovsky, das er ‚Salutogenese‘ nannte, wurde weit zuvor durch Aussagen Frankls in der Darstellung seiner Sinntheorie bereits deutlich gemacht:

„…was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein ‚an sich‘, sondern ein Grund zum Glücklichsein. Sobald nämlich ein Grund zum Glücklichsein gegeben ist, stellt sich das Glück von selber ein.“

Die unterschiedlichen Rollen in der Seelenheilkunde

Zu Ihrer Orientierung – nachdem ich immer wieder nach den Unterschieden in den Rollen gefragt werde:

Der Psychiater:

Schwerpunkt Behandlung mit Medikamenten
Studium Medizin
Zusatzqualifikation Psychiatrie
Geschützte Berufsbezeichnung Ja
Kostenübernahme Ja

Der Psychologe

Schwerpunkt vielfältig, z.B. Beratungsstellen, Schule, Polizei etc.
Studium Psychologie
Zusatzqualifikation nicht zwingend
Geschützte Berufsbezeichnung Ja
Kostenübernahme nur bei Weiterqualifikation zum psychologischen Psychotherapeuten

Der Psychologische Psychotherapeut

Schwerpunkt Psychotherapie
Studium Psychologie
Zusatzqualifikation mehrjährige Psychotherapie-Ausbildung
Geschützte Berufsbezeichnung Ja
Kostenübernahme Ja

Der Heilpraktiker für Psychotherapie

Schwerpunkt Psychotherapie
Studium Nicht zwingend
Zusatzqualifikation Prüfung durch Amtsarzt
Geschützte Berufsbezeichnung Ja
Kostenübernahme Privat oder mit Zusatzversicherung

Ralph Schlieper-Damrich : Logotherapeut [HeilprG]

Schwerpunkt Psychotherapie
Studium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Doktor der Philosophie [im Themenfeld Psychologie, Krise und Sinntheorie Viktor Frankls]
Zusatzqualifikation Vollausbildung Logotherapie, Zusatzausbildung Schematherapie [Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie], Prüfung durch Amtsarzt
Geschützte Berufsbezeichnung Der Begriff ‚Logotherapeut‘ ist nicht geschützt;
der ‚Heilpraktiker für Psychotherapie‘ schon
Kostenübernahme einige private Krankenkassen

 

Enantiodromie

Wenn ein Mensch sein Verhalten ins ‚Gegenteil umschlagen‘ lässt, also ‚andere Saiten aufzieht‘, vielleicht gar vom Saulus zum Paulus wird, dann entspricht diese Interdependenz der Gegensätze dessen, was Heraklit – der überragende Philosoph des Wandels – mit Enantiodromie bezeichnete.

Dieser Begriff fand seinen Einzug in die ‚komplexe Psychologie‘ von Carl Gustav Jung, der ihn als einen grundlegenden Mechanismus der Psyche ansah. Für Jung hat jedes psychologische Extrem insgeheim seinen Gegensatz verfügbar. Jedes Extrem erhält förmlich aus diesem Gegensatz seine erforderliche Dynamik. Es gibt somit keinen psychischen Prozess, der sich nicht gegebenenfalls in ein Gegenteil verkehrt und je extremer sich der Prozess zeigt, desto eher ist seine Verkehrung ins Gegenteil zu erwarten. Beispiel: Ein vor einer eingetretenen Krise entscheidungsstarker Mensch verkehrt sich mit der Situation in einen handlungsgelähmten Menschen. Oder er verkehrt sich zu einem hyperreaktiven Menschen mit unbedachter Spontaneität.

Beide Formen liegen bei genauer Betrachtung überraschend nahe beieinander. Beide verengen zum Beispiel auf je unterschiedliche Weise die Perspektive, beide verursachen einen hohen psychischen Energieaufwand zum Wiedererlangen innerer Stabilität, beide erzeugen systemisch eine extreme Dynamik, um mit dem Zustand fertig zu werden.

Um der Enantiomerie zu ‚entgehen‘, stehen drei Wege offen:

– die Person im oben genannten Beispiel kann sich (jenseits seiner Entscheidungsstärke) auf neue Art organisieren und damit neue Wege des Ressourceneinsatzes gehen
– die Person überdauert die Zeit der Störung und kehrt danach zwar zum vorherigen Zustand zurück, ohne jedoch eine Reifung seines Persönlichkeitsmerkmals ‚Entscheidungsstärke‘ vorgenommen zu haben
– die Person übersteht die Krise nicht und zerbricht an seiner Verkehrung.

Eine schöne Übung für regennasse Tage: Beschreiben Sie irgendein persönliches Verhaltensmerkmal und führen es in die beiden Extreme – wie im Beispiel vorgestellt. Können Sie sich erinnern, eines oder beide Extreme schon einmal gezeigt zu haben? Wie sind Sie damit umgegangen und welche Reaktionen gab es in Ihrem Umfeld?

Burnout mit leichter Ironie

Wer stets fleißig ist wie eine Biene,
Kräfte hat wie ein Stier,
arbeitet wie ein Pferd,
abends müde ist wie ein Hund,
der sollte mal zum Tierarzt gehen,
denn vielleicht ist er ein Kamel.

Wenn Freunde und Angehörige einen Menschen in einer Krise erleben

Damit müssen Sie rechnen:

Der Betroffene ist schockiert.
Dauer: Wenige Augenblicke bis 24 Stunden
Phänomen: Geistesabwesenheit, Erstarrung
Was Sie anbieten sollten: Präsenz, Freundlichkeit, Akzeptanz
Was Sie nicht anbieten sollten: Relativierung, Vergleiche, Trost

Der Betroffene ‚reagiert‘.
Dauer: Tage bis Wochen
Phänomen: Apathie, Verzweiflung, Depressivität, Hoffnungslosigkeit mit Wut, Feindseligkeit, Aggressivität, Trauer, körperlichen Begleitsymptome, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Fresssucht, Genussmittelmissbrauch, Pendeln zwischen extremen Gefühlszuständen.
Was Sie anbieten sollten: Aufmerksamkeit, Zuhören, kein Beschwichtigen, die Reaktionen des Betroffenen als ’normal in unnormaler Zeit‘ ansprechen
Tipp: Führen Sie ein Wahrnehmungstagebuch für die Zeit danach. Wie erleben Sie den Betroffenen, worüber spricht er, wie reagiert er …- eines Tages könnte dieses Tagebuch für die Person sehr wertvoll werden.

Der Betroffene ist orientierungslos.
Dauer: Wochen bis Monate
Phänomen: Empfinden von Chaos, Ungleichgewicht, mangelhafte Selbststeuerung, geringes Selbstgespür
Tipp: Den Prozess nicht stören oder sich verärgern lassen durch das ‚Suchen‘ des Betroffenen

Hinweis: Länger als acht Wochen dauernde Krisen drohen zu chronifizieren. Dann heißt das Gebot: Nicht zögern, sondern Gegensteuern!

Der Betroffene berappelt sich.
Dauer: wenige Tage bis Wochen
Phänomen: Der Betroffene interessiert sich wieder, zeigt Anteil, distanziert sich von seinem bisherigen Verhalten, wird aktiv
Tipp: Stärken und stabilisieren. Jetzt kein Blick zurück – die Reflexion hat Zeit.

Aufmerksamkeitsdefizit bei Sinnmangel

In unserer Praxis kommt zuweilen als Nebenthema der eigentlichen therapeutischen Arbeit das Problem von Eltern ins Gespräch, dass ihre Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizit verbunden mit starker Aktivität hätten und sie mit diesem ADHS kaum zurechtkämen. Von diesem Syndrom wissen wir heute, dass es deutlich häufiger auftritt und nicht nur in der Kindheit oder Jugendzeit erscheint, sondern auch im Erwachsenenalter erlebt werden kann.

Im Kern wird das Syndrom so interpretiert, dass die Person unfähig ist, sich selbst und andere Menschen adäquat wahrzunehmen und als Mangel der Aufmerksamkeitssteuerung diagnostiziert wurde. In vielen Fällen gibt man als Ursache dem Phänomen der exzessiven Nutzung von Informations- und Kommunikationsmedien die Schuld.

Dreht man dieses Phänomen jedoch einmal um, dann erscheint die ‚Aufmerksamkeitsunfähigkeit‘ als eine spezielle Form der Aufmerksamkeit. Erlaubt man sich diesen Perspektivenwechsel, dann kann man im Verhalten des ‚Betroffenen‘ ein ausgesprochen eigensinniges, ausschließlich persönliche Interessen fokussierendes Verhalten erkennen. Wer eigenen Zwecken folgt, erscheint für andere vielleicht rebellisch oder undisziplinert. Aus eigener ADHS-Perspektive zielt dieses Verhalten jedoch darauf, in reizüberfluteter Welt sich selbst nicht zu verlieren. Man könnte es daher auf die Formel bringen: Weltkomplexität trifft auf innere Zerrissenheit mit ihr umzugehen, mit der Folge, sich an sich selbst und nicht an der Welt zu orientieren.

So betrachtet wird ADHS zum Selbstschutzmuster. Und Muster dieser Art lassen vermuten, dass dem ‚Betroffenen‘ eine Form eines Sicherheitsgefühl fehlt, das anzubieten Eltern womöglich leicht möglich ist, aber auf das Kind oder Jugendlichen individuell ‚zugeschnitten‘ werden muss. Dies weitergedacht, gehört nicht das Kind in ADHS-Therapie, sondern die Bezugspersonen gehören eingeladen in ein Gespräch über das, was aus ihrem Wissen heraus ihr Kind braucht.

Aller guten Dinge sind Zwei, alle besseren sind Drei

Menschen haben körperliche und psychische Triebe und Bedürf­nisse, die für sie handlungsleitend sind. Auch, wenn ihnen dies zum Nachteil gereicht, zum Beispiel dann, wenn sie keinen Verzicht üben, obwohl ihr Gesundheitszustand gerade dazu rät. Ob Schlemmerei, sexuelle Anzie­hungskraft oder selbst der Sport: vieles kann für einen Menschen so attraktiv sein, dass er glaubt, ihm nicht  widerstehen zu können. Für uns in der Logotherapie ist diese Perspektive zu flach, denn im Kern kann sich jeder Mensch aus besseren Gründen entscheiden, sich nicht seiner Psyche abzugeben.

Der Freiheitsbegriff der Logotherapie ist ein stets positiver. Der Mensch ist zwar nie frei von Zuständen, Umständen und Bedingungen, aber er ist grundsätzlich frei, zu ihnen Stellung zu beziehen. Anders als in reduktionistischen zweidimensionalen Menschenbildern verweist Viktor Frankl auf die dritte, spezifisch menschliche Dimension des Geistigen. Sie reicht über die physische (somatische) Dimension und die psychische Dimension bestehend aus Emotionen, Kognitionen, das angebo­rene Temperament und die Anlage fur bestimmte Charak­ter- und Persönlichkeitseigenschaften hinaus. Die geistige Dimension adressiert das, was wir auch das spezifisch Humane nennen können wie das Gewissen, die Spiritualität, die Ausrichtung auf ethische Aspekte, die Verwirklichung von Werten, Liebe und Hingabe, Sinnsuche und Sinnfindung.

„Leibliches wird durch Vererbung geschenkt. Seelisches wird durch Erziehung gelenkt. Geistiges jedoch kann nicht erzogen werde, Geistiges muss vollzogen werden – Geistiges IST überhaupt nur im Selbstvollzug, in der Vollzugswirklichkeit der Existenz.“ Viktor Frankl